Samstag, 16. März 2019

Kreativer durch Minimalismus?

Kreative Menschen sind ja angeblich von Natur aus meist unordentlich. Außerdem wird uns ständig suggeriert, dass es generell besser ist, mehr statt weniger zu haben.

Cathy Hutchison hat neulich einen nachdenklich stimmenden Artikel veröffentlicht. Er trägt den Titel „Why a minimalist lifestyle is a big win for creatives“. Darin argumentiert sie: Für kreatives Schaffen ist ein Mehr nicht zwangsläufig besser!

Gedankenklarheit und Inspiration durch freien Raum

Im Gegenteil: Gedankenklarheit und Inspiration werden erst möglich, wenn wir freien Raum um uns herum schaffen. Das Loslassen von Dingen, die wir nicht (mehr) benötigen, befreit von Gewicht, das sonst unweigerlich zu Stagnation führt.

Die Realität sieht so aus: Je mehr Werkzeuge wir zur Erledigung einer Aufgabe zur Hand haben, desto geringer ist oft unser kreativer Output! Oder: Wenn uns sehr viel Zeit zur Abwicklung eines Projekts zur Verfügung steht, schaffen wir meist zunächst einmal eigentlich (zu) wenig.

Visuelles Durcheinander demotiviert

Freie Oberflächen laden dazu ein, auf ihnen kreativ tätig zu werden. (Herumliegende Gegenstände
hingegen, die wir mit den Augen als Durcheinander wahrnehmen, lösen dieses Verlangen eher nicht aus!)

Wem geht es wohl nicht so? Visuelles Durcheinander bewirkt in der Regel keinen Produktivitätsdrang; es erzeugt eher ein Gefühl von Überforderung, Ablenkung oder gar Demotivation.


Minimalistisch kreativ: durch Ordnung, zeitliche Begrenzungen und wenige Werkzeuge

Laut Cathy Hutchison identifizieren wir uns viel zu sehr mit unserem „Zeug“. Der Besitz eines Pinsels oder einer Gitarre etwa lässt uns noch nicht kreativ werden. Kreativ werden wir erst durch unsere Fähigkeit, etwas Neues hervorzubringen! Oder durch unsere Fähigkeit, etwas Wahres so auszudrücken, dass es bei anderen Widerhall findet.

Tipps zur Steigerung der Kreativität

Wünschst du dir mehr Kreativität beim Malen, Kochen oder Schreiben? Nach dem Lesen von Cathy Hutchisons Artikel habe ich diese Tipps, mithilfe deren du deine Kreativität steigern kannst:

1. Schaffe Ordnung in deinem Sichtfeld, und lege erst dann los.
2. Setze dir selbst zeitliche Begrenzungen, wenn dir für eine Aufgabe viel Zeit zur Verfügung steht.
3. Nutze zunächst wenige Werkzeuge, um größtmöglichen kreativen Spielraum zu gewinnen.


Unordnung ist kreativem Schaffen abträglich! Kreative Energie will fließen können, damit aus schöpferischer Leistung etwas Neues entstehen kann – und dafür nötig ist freier Raum.

Samstag, 23. Februar 2019

Schreibfehler vermeiden durch bessere Ausnutzung der Konzentrationsfähigkeit

Als ich neulich eine E-Mail an eine Freundin in Deutschland an ihrem Geburtstag nach dem Absenden noch mal durchgelesen habe, ist mir ein blöder Kommafehler darin aufgefallen. Als Übersetzerin reagiere ich ja sehr empfindlich auf sogar allerkleinste Schreibfehler, aber in der Situation war es mir egal. Doch warum?

Wäre mir das bei meiner Übersetzungsarbeit passiert, hätte dies sehr viel Unmut hervorgerufen. Hätte ein Kunde eine Übersetzung mit einem blöden Fehler darin von mir erhalten, wäre dies verdrießlich gewesen – für meinen Kunden, aber auch für mich. Schnitzer in einer Übersetzung können aus ihr rasch minderwertige Arbeit werden lassen.

Die geistigen Ressourcen, die uns pro Tag zur Verfügung stehen, sind begrenzt, daher sollten wir sie klug einsetzen.

Fehler beim professionellen Übersetzen und beim professionellen Schreiben kommen durchaus vor. Um sie zu vermeiden, treffen gute Übersetzer und Übersetzerinnen deshalb gezielte Qualitätssicherungsmaßnahmen. Weil die geistigen Ressourcen, die uns pro Tag zur Verfügung stehen, begrenzt sind, ist es sinnvoll, sie klug und wirksam einzusetzen, sie gleichsam zu „verwalten“. Oft bedeutet das: Wichtiges zuerst!

Ich hätte meiner Freundin natürlich gleich morgens schreiben können, sofort nachdem die Benachrichtigung auf meinem Telefon aufgepoppt war und mich an ihren Geburtstag erinnert hatte. Doch ich habe es bewusst auf den späten Nachmittag verschoben, obwohl ich genau gewusst habe, dass meine geistigen Ressourcen nach der Übersetzungsarbeit über den Tag dann schon fast aufgebraucht sein würden.

Hätte ich meiner Freundin sofort geschrieben, wäre dabei nämlich schon ein Teil meiner geistigen Ressourcen aufgezehrt worden, die ich an dem Tag so dringend für Übersetzungsaufträge benötigen würde. Mir war klar: Sie würde sich nicht (sehr) daran stören, dass meine E-Mail wahrscheinlich nicht perfekt ausformuliert sein würde. Der eine oder andere Interpunktions- oder Rechtschreibfehler würde ihr nichts ausmachen. Meine E-Mail würde vielleicht sogar nicht mal ganz in sich stimmig sein. Wichtig war jedenfalls, dass ich ihr zum Geburtstag geschrieben habe – und nicht wie.

Wichtiges zuerst! Weil unsere Konzentrationsfähigkeit pro Tag begrenzt ist, ist es sinnvoll, dass wir Maßnahmen zur Tagesablaufplanung umsetzen und dadurch achtlose Schreibfehler vermeiden. 

Hinweis: Bei diesem Blog-Artikel handelt es sich um eine Übersetzung meines ursprünglich auf Englisch formulierten Blog-Artikels „Avoiding writing mistakes by concentration span management“

Samstag, 5. Januar 2019

Warum nichtphysisches Entrümpeln Übersetzern guttut

„Gerümpel ist nicht nur Kram in Form von Gegenständen. Es sind auch überholte Vorstellungen, schädliche Beziehungen und schlechte Gewohnheiten. Gerümpel ist alles, was deinem besseren Ich nicht nützt.“ (Eleanor Brownn)

Welcher Vorstellungen, Beziehungen und Gewohnheiten sollten wir Übersetzer (oder eigentlich wir alle) uns idealerweise entledigen, weil sie unserer Gemütsverfassung oder unserem Wohlbefinden schaden?


„Gerümpel ist alles, was deinem besseren Ich nicht nützt.“ (Eleanor Brownn)

Überholte Vorstellungen
Viel zu oft stoßen wir leider noch auf die immer selben irrigen Vorstellungen zum Übersetzerberuf. Wollten wir einige davon ausmerzen, müssten wir Folgendes mit Überzeugung erklären: Ja, für die Arbeit des Übersetzens muss man hochqualifiziert sein. Ja, damit lässt sich gut Geld verdienen. Ja, die Tätigkeit macht Spaß, genau wie das Arbeiten allein daheim!

Schädliche Beziehungen
Ist es gar an der Zeit, dass wir den Kontakt zu Leuten auf Social Media abbrechen, über die wir uns ständig aufregen? Oder ist die Zeit reif dafür, dass wir uns von Kunden verabschieden, mit denen wir, gleich aus welchem Grund, nur ungern zusammenarbeiten? Finde heraus, welche Kunden herausragend sind, und suche die Nähe von Menschen, die dich respektieren und unterstützen.

Schlechte Gewohnheiten

Ich tue mich schwer damit, folgende schlechte Gewohnheiten abzulegen: Ich lasse mich leicht von den Nachrichten ablenken, wenn ich eigentlich arbeiten sollte. Außerdem schiebe ich oft noch Eilaufträge ein, obwohl mein Auftragsbuch schon übervoll ist. Und ich konsumiere zum Tagesende hin zu viel Junk Food. Das Ablegen schlechter Gewohnheiten setzt voraus, dass wir bewusst etwas verändern oder erreichen wollen.

Entledigen wir uns überholter Vorstellungen, schädlicher Beziehungen und schlechter Gewohnheiten, werden wir daraus erstaunlichen Nutzen ziehen: mehr Zufriedenheit im Beruf, ein höheres Selbstwertgefühl und eine bessere Lebensqualität auf Dauer!

Dieser Blogartikel ist eine Übersetzung meines ursprünglich auf Englisch verfassten Blogartikels „Why eliminating non-physical stuff benefits translators“ vom 13. Juni 2018.