Samstag, 23. Februar 2019

Schreibfehler vermeiden durch bessere Ausnutzung der Konzentrationsfähigkeit

Als ich neulich eine E-Mail an eine Freundin in Deutschland an ihrem Geburtstag nach dem Absenden noch mal durchgelesen habe, ist mir ein blöder Kommafehler darin aufgefallen. Als Übersetzerin reagiere ich ja sehr empfindlich auf sogar allerkleinste Schreibfehler, aber in der Situation war es mir egal. Doch warum?

Wäre mir das bei meiner Übersetzungsarbeit passiert, hätte dies sehr viel Unmut hervorgerufen. Hätte ein Kunde eine Übersetzung mit einem blöden Fehler darin von mir erhalten, wäre dies verdrießlich gewesen – für meinen Kunden, aber auch für mich. Schnitzer in einer Übersetzung können aus ihr rasch minderwertige Arbeit werden lassen.

Die geistigen Ressourcen, die uns pro Tag zur Verfügung stehen, sind begrenzt, daher sollten wir sie klug einsetzen

Fehler beim professionellen Übersetzen und beim professionellen Schreiben kommen durchaus vor. Um sie zu vermeiden, treffen gute Übersetzer und Übersetzerinnen deshalb gezielte Qualitätssicherungsmaßnahmen. Weil die geistigen Ressourcen, die uns pro Tag zur Verfügung stehen, begrenzt sind, ist es sinnvoll, sie klug und wirksam einzusetzen, sie gleichsam zu „verwalten“. Oft bedeutet das: Wichtiges zuerst!

Ich hätte meiner Freundin natürlich gleich morgens schreiben können, sofort nachdem die Benachrichtigung auf meinem Telefon aufgepoppt war und mich an ihren Geburtstag erinnert hatte. Doch ich habe es bewusst auf den späten Nachmittag verschoben, obwohl ich genau gewusst habe, dass meine geistigen Ressourcen nach der Übersetzungsarbeit über den Tag dann schon fast aufgebraucht sein würden.

Hätte ich meiner Freundin sofort geschrieben, wäre dabei nämlich schon ein Teil meiner geistigen Ressourcen aufgezehrt worden, die ich an dem Tag so dringend für Übersetzungsaufträge benötigen würde. Mir war klar: Sie würde sich nicht (sehr) daran stören, dass meine E-Mail wahrscheinlich nicht perfekt ausformuliert sein würde. Der eine oder andere Interpunktions- oder Rechtschreibfehler würde ihr nichts ausmachen. Meine E-Mail würde vielleicht sogar nicht mal ganz in sich stimmig sein. Wichtig war jedenfalls, dass ich ihr zum Geburtstag geschrieben habe – und nicht wie.

Wichtiges zuerst! Weil unsere Konzentrationsfähigkeit pro Tag begrenzt ist, ist es sinnvoll, dass wir Maßnahmen zur Tagesablaufplanung umsetzen und dadurch achtlose Schreibfehler vermeiden. 

Hinweis: Bei diesem Blog-Artikel handelt es sich um eine Übersetzung meines ursprünglich auf Englisch formulierten Blog-Artikels „Avoiding writing mistakes by concentration span management“