Samstag, 6. Februar 2021

Schnell, dumm, manchmal exakt: Warum Computer schlecht übersetzen

Sind Maschinenübersetzungen schlecht? Und sind Übersetzungspannen wirklich so schlimm? Manche falsche Übersetzungen mögen durchaus belustigen: wenn etwa Avocado als Rechtsanwalt oder Turkey and Ham Pie als Türkei mit Schinken-Kuchen übersetzt wird.  In der Geschäftswelt oder der Medizin etwa haben Übersetzungspannen hingegen meist ernste, kostspielige oder verheerende Auswirkungen. 

 

Wenn eine unausgegorene Übersetzung den Ruf schädigt 

Falsche Übersetzungen in der Geschäftswelt bedeuten meist nicht nur den gefürchteten Tritt ins Fettnäpfchen, sondern können auch zu bleibenden Imageschäden führen. Falsche Übersetzungen gehen zudem oft mit hohen Folgekosten oder gar rechtlichen Schritten einher.

In der Medizin können Übersetzungspannen sogar lebensgefährlich sein: wenn etwa medizinische Fachbegriffe falsch übersetzt werden oder die Anleitung zum Gebrauch eines Defibrillators doppeldeutige Anweisungen enthält.  Denn Computer sind zwar schnell und (vermeintlich) exakt, aber eigentlich dumm. 

 

Computer sind schnell, dumm und manchmal exakt
(Bild von Gerd Altmann auf Pixabay)

 


Maschinelle Übersetzungen: schnell, seltsam und oft falsch

Neuronale Netze, mit denen viele heutige Maschinenübersetzungssysteme vornehmlich arbeiten, nehmen Eingaben aus Eingabedatenmengen als Zahlen entgegen und ordnen diese Zahlen wiederum anderen Zahlen zu, die daraufhin in Ausgabedatenmengen als „Übersetzung“ ausgegeben werden.  

 

Maschinenübersetzungssysteme sind im Prinzip nur elektronische Wörterbücher, denen Übersetzungsprogramme wahllos Wörter entnehmen, um Texte ungezielt oder gar fahrlässig  zusammenzuschustern. Maschinenübersetzungen sind auf den ersten Blick exakt, doch oft falsch; oder sie muten schief, irgendwie seltsam oder ganz und gar unnatürlich an.

 


 

Vorsicht bei Fachbegriffen und Mehrdeutigkeiten

Maschinenübersetzungssysteme sollten durchaus eingesetzt werden. Denn dank Big Data haben sie sich in jüngster Zeit enorm weiterentwickelt. Mit einer maschinellen Übersetzung kann man sich etwa hervorragend rasch einen Überblick über einen in einer Fremdsprache abgefassten Text verschaffen. Ist die Übersetzung aber nicht nur für den eigenen Gebrauch, sondern auch noch für eine oder mehrere weitere Personen bestimmt, ist Vorsicht geboten! 

Eine maschinelle Übersetzung bietet sich etwa an für Texte, die bewusst einfach formuliert sind, keine längeren Sätze enthalten, eine einfache grammatikalische Struktur haben, nicht mit Fachbegriffen, Abkürzungen oder umgangssprachlichen Ausdrücken gespickt sind, keine (etwa lexikalischen oder grammatikalischen) Mehrdeutigkeiten aufweisen und idealerweise auch keine Passivkonstruktionen enthalten (weil Übersetzungsprogramme den Agens in Passivkonstruktionen oft falsch identifizieren).


Übersetzen bleibt eine zutiefst sprachliche Angelegenheit 

Viele Texte eignen sich nicht dafür, um maschinell übersetzt zu werden, etwa Rechtstexte jeglicher Art, technische Beschreibungen oder auch Texte mit starker emotionaler Ansprache wie Werbetexte, Websites oder Romane. Computern fehlt nämlich eine urmenschliche Fähigkeit, die zum guten Übersetzen nötig ist: Kreativität. Computer sind zudem immer noch unfähig, den Gesamtzusammenhang eines zu übersetzenden Textes zu „erkennen“.

 

Computern fehlt eine Fähigkeit, die zum guten Übersetzen nötig ist: Kreativität
(Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay)

 

Werbetexte und Websites etwa müssen spritzig und überzeugend übersetzt werden, während Romanübersetzungen spannend und lebendig sein müssen. Hier muss der Mensch ans Werk! Computer können nun mal nicht spritzig, überzeugend oder gar lebendig übersetzen.

 

Computer „denken“ in Nullen und Einsen, sie arbeiten mit Zahlen  und nicht mit Sprache! Übersetzen ist (und bleibt) aber eine zutiefst sprachliche Angelegenheit. Unausgegorene Maschinenübersetzungen muten darum meist seltsam an und können image- und geschäftsschädigend sein.